Leserfrage: Welche Bedeutung hat der TSH-Wert unter der Schilddrüsenhormontherapie?

Das TSH gilt bei der überwiegenden Mehrheit der ÄrztInnen unverändert als der wichtigste Laborwert sowohl im Hinblick auf die Diagnose von Schilddrüsenerkrankungen als auch bezogen auf die Beurteilung der Stoffwechsellage während der Behandlung mit einem Schilddrüsenhormonpräparat.

TSH ist die Abkürzung für Thyreoidea Stimulating Hormon. Das TSH regt die Schilddrüse zur Bildung der Schilddrüsenhormone T3 und T4 an. Ein niedriges TSH ist ein Hinweis auf eine Überfunktion der Schilddrüse. Ein hohes TSH kann auf eine Schilddrüsenunterfunktion hindeuten. „Leserfrage: Welche Bedeutung hat der TSH-Wert unter der Schilddrüsenhormontherapie?“ weiterlesen

Leserfrage: Warum sind Fehldiagnosen wie Angststörung oder Depression bei Hashimoto-Thyreoiditis so häufig?

Schilddrüsenhormone haben Eigenschaften, welche die Psyche beeinflussen können. Und als Folge einer veränderten psychischen Grundstimmung wird auch das Verhalten verändert, so dass Störungen im Schilddrüsenhormonhaushalt zu deutlichen Wesensveränderungen führen können.

Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), wie sie oft als Folge der Hashimoto-Thyreoiditis auftritt, kann beispielsweise folgende psychische Symptome auslösen:

– Weinerlichkeit, Traurigkeit bis hin zur Depressivität
– Reizbarkeit bzw. das Gefühl alles wird zu viel
– Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
– Benommenheit “Watte im Kopf” (brain fog)
– Innere Unruhe oder auch eine ausgeprägte Schreckhaftigkeit
– Angst mit oder ohne Panikattacken
– anhaltende Schlafstörungen

Wichtig: Bei Erkrankungen der Schilddrüse sind diese psychischen Symptome meist hormonell bedingt und kein Ausdruck einer psychischen Störung!

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Das Problem besteht darin, dass sich psychische Erkrankungen wie eine Depression oder Panikattacken bzw. eine Angststörung mit sehr ähnlichen Symptomen wie Krankheiten der Schilddrüse äußern und deshalb entsprechend häufig mit ihnen verwechselt werden.

Internationales Diagnoseschema der WHO bzgl. Depression und Angststörung

Um dies zu verdeutlichen, stelle ich nachfolgend das Internationale Diagnoseschema (ICD-10) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Krankheiten Depression und Angststörung vor.

Depression

– Depressive Stimmung
– Interessenverlust, Freudlosigkeit
– Antriebsmangel, erhöhte Ermüdbarkeit
– Verminderte Konzentration
– Vermindertes Selbstwertgefühl
– Gefühl von Schuld / Wertlosigkeit
– Pessimistische Zukunftsperspektiven
– Suizidgedanken/-handlungen
– Schlafstörungen
– Früh morgendliches Erwachen
– Morgendliches Stimmungstief
– Deutlicher Appetitverlust
– Gewichtsverlust
– Deutlicher Libidoverlust

Panikattacke (Angststörung)

– Schweißausbrüche
– Fein- oder grobschlägiges Zittern (Tremor)
– Mundtrockenheit
– Atembeschwerden
– Beklemmungsgefühl
– Schmerzen in der Brust
– Übelkeit
– Schwindel, Unsicherheit, Schwäche
– Entfremdungsgefühl
– Angst die Kontrolle zu verlieren
– Angst zu sterben (Todesangst)
– Hitzegefühle oder Kälteschauer

Ein Großteil der aufgelisteten, psychischen Symptome ist ähnlich oder sogar genau gleich. Wegen der Auswirkungen auf die Psyche besteht deshalb ein erhebliches Risiko, dass Schilddrüsenerkrankungen als psychische Störungen fehl diagnostiziert werden!

Besonders zu Beginn der Erkrankung, wenn erst wenige Symptome vorhanden und die Blutwerte noch unauffällig sind, ist es für die/den Ärztin/Arzt unter Umständen schwierig die richtige Diagnose zu stellen. Erschwerend kommt diesbezüglich hinzu, dass bei Funktionsstörungen der Schilddrüse die psychischen Symptome den organischen Beschwerden vorangehen können.

Im Hinblick darauf scheinen Frauen außerdem besonders gefährdet zu sein, dass Ihnen fälschlicherweise eine psychische Erkrankung unterstellt wird. Sie werden in unserer Gesellschaft offensichtlich immer noch als psychisch labiler als Männer eingeschätzt.

Erschwerend kommt auch noch hinzu, dass Schilddrüsenerkrankungen häufig in Situationen ausbrechen in denen Fehlinterpretationen naheliegen. Zu diesen Lebensphasen zählen besonders eine Schwangerschaft sowie die erste Zeit nach einer Entbindung. Psychische Symptome wie Weinerlichkeit, Melancholie usw. werden hier oft als Wochenbettdepression eingeschätzt und Müdigkeit, Erschöpfung etc. als Ausdruck von Überforderung falsch ausgelegt.


Psychische Aspekte der Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis (Amazon-Partnerlink)

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist keine psychische Erkrankung. Und doch führen vielfältige psychische Beschwerden während der Schilddrüsenunterfunktionsphase nicht selten zu entsprechenden Fehldiagnosen. → Inhaltsverzeichnis

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Forschung: Hashimoto-Thyreoiditis und Selen

Inzwischen wurde bereits in einer ganzen Reihe von wissenschaftlichen Studien nachgewiesen, dass das → Spurenelement Selen hilfreich bei der Hashimoto-Thyreoiditis ist.  Die mehrmonatige Einnahme von Selen beeinflusst den Krankheitsverlauf günstig. Dies wird jetzt auch noch einmal durch eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung bestätigt.

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Worin besteht der Nutzen der Behandlung mit Selen bei PatientInnen mit Hashimoto-Thyreoiditis?

Die wichtigste Wirkung von Selen betrifft die Schilddrüsenautoantikörper.

Diese schilddrüsenspezifischen Autoantikörper sind für die Diagnose der Hashimoto-Thyreoiditis entscheidend. Ihre genaue Bedeutung für den weiteren Krankheitsverlauf sowie insbesondere der Einfluss auf das Wohlbefinden ist aber noch unklar.

Durch die mehrmonatige Einnahme des Spurenelements Selen werden diese Autoantikörper sehr deutlich verringert. Dies betrifft sowohl die TPO-AK als auch die TG-AK.


TPO-AK ist die Abkürzung für Thyreo-Peroxidase-Antikörper. Die TPO-AK greifen die Schilddrüsenperoxidase an. Dieses Enzym ist an der Bildung der Schilddrüsenhormone beteiligt.

TG-AK ist die Abkürzung für Thyreoglobulin-Antikörper. Die TG-AK richten sich gegen das Thyreoglobulin. Dabei handelt es sich um ein an der Produktion und Speicherung von Schilddrüsenhormonen beteiligtes Protein.


Daneben hat man aber auch festgestellt, dass die Selen-Einnahme über sechs Monate hinweg zu einer Senkung des TSH führt.

Das TSH (Thyreoidea Stimulating Hormon) wird von der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet und regt die Schilddrüse zur Bildung der Schilddrüsenhormone T3 und T4 an.

Viele Hashimoto-Erkrankte haben bereits bei der Diagnose ein erhöhtes TSH. Ein TSH über 2 mU/l ist ein Anzeichen dafür, dass die Hashimoto-Thyreoiditis bereits so weit fortgeschritten ist, dass es zu einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) gekommen ist.

Ein solcher Mangel Schilddrüsenhormonen muss meist mit der lebenslang erforderlichen Gabe eines Schilddrüsenhormonpräparats behandelt werden. Durch die Selen-Gabe gelingt es unter Umständen den Beginn dieser Schilddrüsenhormontherapie hinauszuzögern.

Quelle: Yifang Hu, Wenwen Feng u.a. “Effect of selenium on thyroid autoimmunity and regulatory T cells in patients with thyroiditis: A randomized-controlled trial” Clin Transl Sci. 2021 Mar 1. doi: 10.1111/cts.12993. Online ahead of print.

Forschung: Müdigkeit und Muskelschwäche bei gut eingestellter Hashimoto-Thyreoiditis

Die meisten Hashimoto-Erkrankten kennen Muskelschwäche aus eigener leidvoller Erfahrung. Wenn die Kraft in den Händen kaum für das Aufdrehen einer Wasserflasche ausreicht oder die Beine schon nach einem kurzen Spaziergang zittern. Muskelschwäche ist ein typisches Anzeichen für einen Mangel an Schilddrüsenhormonen, eine Schilddrüsenunterfunktion.

Durch die Behandlung mit Schilddrüsenhormonen bessern sich die Beschwerden fast immer. Bei einigen Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen bleiben Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Müdigkeit und Erschöpfung aber auch dann noch bestehen, wenn die Schilddrüsenunterfunktion schon lange behoben wurde und die Schilddrüsenerkrankung gut eingestellt ist. „Forschung: Müdigkeit und Muskelschwäche bei gut eingestellter Hashimoto-Thyreoiditis“ weiterlesen

Corona-Impfung bei Hashimoto-Thyreoiditis

Die möglichen Risiken der Corona-Impfung für Hashimoto-Thyreoiditis-Betroffene sind unklar.

Verlässliche Aussagen oder wissenschaftliche Untersuchungen zu den besonderen Gefahren der Corona-Impfung für Hashimoto-Thyreoiditis-Erkrankte gibt es bislang nicht! „Corona-Impfung bei Hashimoto-Thyreoiditis“ weiterlesen

Forschung: Magnesiummangel erhöht das Erkrankungsrisiko für eine Hashimoto-Thyreoiditis

Die Aufnahme von zu wenig Magnesium über die Ernährung wird schon seit längerer Zeit mit verschiedenen chronischen Krankheiten in Verbindung gebracht. Die möglichen Zusammenhänge zwischen einem Magnesiummangel und der Entwicklung einer Schilddrüsenerkrankung wie der Hashimoto-Thyreoiditis sind bislang jedoch unklar. „Forschung: Magnesiummangel erhöht das Erkrankungsrisiko für eine Hashimoto-Thyreoiditis“ weiterlesen

Leserfrage: Wie ermittelt man die notwendige Schilddrüsenhormondosis?

Die Dosierung des Schilddrüsenhormonpräparates kann man nicht einfach so vor Behandlungsbeginn ausrechnen. Bis die Einstellung mit dem Schilddrüsenmedikament stimmt, d.h. die richtige Schilddrüsenhormondosis gefunden ist und die Schilddrüsenunterfunktionssymptome nachlassen, kann es eine ganze Zeit dauern. Das liegt daran, dass die zuerst gewählte Dosierung eigentlich nie passt, sondern meist mehrfach nachträglich korrigiert werden muss. Das ist also eine langwierige Angelegenheit für die man mindestens drei bis sechs Monate einplanen sollte. „Leserfrage: Wie ermittelt man die notwendige Schilddrüsenhormondosis?“ weiterlesen

Forschung: Operative Schilddrüsenentfernung bei schwierig zu behandelnder Hashimoto-Thyreoiditis

Aus dem Mund vieler ÄrztInnen klingt das so einfach. Täglich eine Tablette einnehmen und dann merkt man gar nicht mehr, dass man eine Hashimoto-Thyreoiditis hat.

Die Wirklichkeit sieht aber leider anders aus. Es gibt sogar sehr viele Hashimoto-Erkrankte die trotz vermeintlich guter Einstellung mit einem Schilddrüsenhormonmedikament über weiter bestehende Beschwerden klagen. Oft wollen beispielsweise Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit, aber auch Muskelverspannungen und -schmerzen einfach nicht weggehen. „Forschung: Operative Schilddrüsenentfernung bei schwierig zu behandelnder Hashimoto-Thyreoiditis“ weiterlesen

Leserfrage: Wie nehme ich die Schilddrüsenhormontabletten richtig ein?

Üblich ist die morgendliche Nüchterneinnahme.

T4-Monopräparate mit dem Wirkstoff Levothyroxinatrium werden normalerweise 20 bis 30 Minuten vor dem Frühstück mit einem Glas Wasser eingenommen. Die Tablette sollte möglichst nicht mit Milch, Kakao oder Milchkaffee geschluckt werden weil das enthaltene Calcium die Aufnahme der Schilddrüsenhormone behindert. Auch Fruchtsäfte eignen sich nicht!

Es ist aber auch möglich das Schilddrüsenhormonpräparat direkt vor dem Schlafengehen einzunehmen. Dann sollte allerdings darauf geachtet werden, dass die letzte Mahlzeit mindestens zwei Stunden zurückliegt. Denn auch im Magen vorhandene Nahrung kann dazu führen, dass die eingenommenen Schilddrüsenhormone nicht richtig verwertet werden.

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