Empfehlungen für die Behandlung der Hashimoto-Thyreoiditis während der Corona-Pandemie

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Ursache für eine Unterfunktion der Schilddrüse (Mangel an Schilddrüsenhormonen, medizinische Bezeichnung: Hypothyreose). Diese Autoimmunerkrankung der Schilddrüse ist jedoch nicht mit einem erhöhten Risiko für COVID-19 (Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus, umgangssprachlich Coronavirus) verbunden.

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Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Was die Behandlung von PatientInnen mit einer Unterfunktion der Schilddrüse während der Corona-Pandemie angeht, werden die folgenden drei Punkte hervorgehoben:

  1. Hashimoto-Thyreoiditis-Erkrankte sollten die Schilddrüsenhormontherapie wie gewohnt fortführen. Diesbezüglich ist darauf zu achten, dass den PatientInnen immer eine ausreichende Dosis ihres Schilddrüsenmedikaments zur Verfügung steht. Da es momentan bei verschiedenen Präparaten Lieferschwierigkeiten gibt, sollten Schilddrüsenerkrankte sich frühzeitig darum kümmern.
  2. Während einer Schwangerschaft sollte die L-Thyroxin-Dosis auch dann erhöht werden, wenn die regelmäßige Durchführung von Kontrollen der Schilddrüsenwerte während der Corona-Pandemie nicht gewährleistet werden kann. Üblicherweise wird die Schilddrüsenhormondosis im Verlauf der Schwangerschaft um 50 µg L-Thyroxin gesteigert.
  3. Das Neugeborenen-Screening auf eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) sollte unbedingt durchgeführt werden, um eine verzögerte Diagnose und verspätete Behandlung zu vermeiden. Wichtig: Die Babys von Müttern die an einer Hashimoto-Thyreoiditis erkrankt sind, sind davon überdurchschnittlich häufig betroffen!

Endokrine Orbitopathie

Diese Augenbeteiligung gilt als charakteristisch für den Morbus Basedow. Sie kann sehr selten aber auch bei der Hashimoto-Thyreoiditis vorkommen.

Bei PatientInnen mit einer COVID-19-Erkrankung kann es gelegentlich zu einer Bindehautentzündung kommen. Dies kann bei PatientInnen mit neuer oder bereits bestehender Endokriner Orbitopathie zu diagnostischen Schwierigkeiten führen.

Das Fortschreiten der Endokrinen Orbitopathie sollte deshalb nach Möglichkeit verhindert werden. Im Hinblick darauf wird insbesondere auf den Nutzen der Raucherentwöhnung sowie der Einnahme des Spurenelements → Selen verwiesen.

Es gibt wie bereits erwähnt keine Hinweise darauf, dass Hashimoto-Thyreoiditis-Erkrankte anfälliger für Viruserkrankungen sind. Dies gilt auch für eine Infektion mit SARS-CoV-2. Weiter gibt es aktuell auch keinen Beweis dafür, dass sie das Risiko haben, eine schwerere COVID-19-Krankheit zu entwickeln. Etwas anders sieht es allerdings bei PatientInnen aus, die sich wegen einer Endokrinen Orbitopathie einer immunsuppressiven Therapie unterziehen. Sie haben wahrscheinlich ein erhöhtes Risiko, eine schwere COVID-19-Erkrankung zu entwickeln.

Quelle: Kristien Boelaert , W Edward Visser , Peter Nicholas Taylor , Carla Moran , Juliane Léger and Luca Persani „ENDOCRINOLOGY IN THE TIME OF COVID-19: Management of hyperthyroidism and hypothyroidism“, European Journal of Endocrinology (Fulltext free)