Forschung: COVID-19-Erkrankung bei Schilddrüsenunterfunktion

Bei PatientInnen mit einer Unterfunktion der Schilddrüse besteht kein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf.

Der häufigste Grund für eine Unterfunktion der Schilddrüse (Mangel an Schilddrüsenhormonen, medizinisch: Hypothyreose) ist eine Hashimoto-Thyreoiditis. Von daher kann man davon ausgehen, dass im Rahmen der nachfolgenden Studie – die sich auf PatientInnen mit einer Schilddrüsenunterfunktion bezieht – auch zahlreiche Hashimoto-Erkrankte untersucht wurden. „Forschung: COVID-19-Erkrankung bei Schilddrüsenunterfunktion“ weiterlesen

Leserfrage: Was bedeutet es, das Schilddrüsenhormonpräparat einzuschleichen?

PatientInnen mit einer Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) reagieren sehr unterschiedlich auf die Einnahme von Schilddrüsenhormonen. Die meisten merken in den ersten Tagen gar nichts davon und erst nach zwei bis vier Wochen ganz allmählich eine Besserung ihrer Beschwerden. Einige wenige Schilddrüsenerkrankte verspüren aber bereits wenige Stunden nach der Tabletteneinnahme eine unangenehme Unruhe, feuchte Hände, Herzklopfen und leiden in den ersten Tagen unter Schlafstörungen. „Leserfrage: Was bedeutet es, das Schilddrüsenhormonpräparat einzuschleichen?“ weiterlesen

Leserfrage: Was ist, wenn es die von mir benötigte Schilddrüsenhormondosis nicht gibt?

Das ist eigentlich kein Problem, denn grundsätzlich kann man alle Schilddrüsenhormontabletten auch teilen. Dadurch ist es möglich auch zwischen den gängigen Dosisstärken liegende individuell notwendige Dosierungen möglich zu machen.

Dabei sollte man jedoch Folgendes beachten:

Schilddrüsenhormone sind empfindlich gegenüber Feuchtigkeit, Licht und Wärme. Sie sollten deshalb immer erst kurz vor der Einnahme aus der Packung entnommen werden. Entsprechend sollten auch Tablettenreste bis zur Verwendung geschützt aufbewahrt werden. Das ist aber eigentlich nicht so schlimm, denn für diesen Zweck gibt es in jeder Apotheke extra Tablettenteiler mit einem speziellen Aufbewahrungsfach. Diese kosten auch nur circa 5,00 EUR. „Leserfrage: Was ist, wenn es die von mir benötigte Schilddrüsenhormondosis nicht gibt?“ weiterlesen

Leserfrage: Welche Bedeutung hat der TSH-Wert unter der Schilddrüsenhormontherapie?

Das TSH gilt bei der überwiegenden Mehrheit der ÄrztInnen unverändert als der wichtigste Laborwert sowohl im Hinblick auf die Diagnose von Schilddrüsenerkrankungen als auch bezogen auf die Beurteilung der Stoffwechsellage während der Behandlung mit einem Schilddrüsenhormonpräparat.

TSH ist die Abkürzung für Thyreoidea Stimulating Hormon. Das TSH regt die Schilddrüse zur Bildung der Schilddrüsenhormone T3 und T4 an. Ein niedriges TSH ist ein Hinweis auf eine Überfunktion der Schilddrüse. Ein hohes TSH kann auf eine Schilddrüsenunterfunktion hindeuten. „Leserfrage: Welche Bedeutung hat der TSH-Wert unter der Schilddrüsenhormontherapie?“ weiterlesen

Leserfrage: Warum sind Fehldiagnosen wie Angststörung oder Depression bei Hashimoto-Thyreoiditis so häufig?

Schilddrüsenhormone haben Eigenschaften, welche die Psyche beeinflussen können. Und als Folge einer veränderten psychischen Grundstimmung wird auch das Verhalten verändert, so dass Störungen im Schilddrüsenhormonhaushalt zu deutlichen Wesensveränderungen führen können.

Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), wie sie oft als Folge der Hashimoto-Thyreoiditis auftritt, kann beispielsweise folgende psychische Symptome auslösen:

– Weinerlichkeit, Traurigkeit bis hin zur Depressivität
– Reizbarkeit bzw. das Gefühl alles wird zu viel
– Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
– Benommenheit “Watte im Kopf” (brain fog)
– Innere Unruhe oder auch eine ausgeprägte Schreckhaftigkeit
– Angst mit oder ohne Panikattacken
– anhaltende Schlafstörungen

Wichtig: Bei Erkrankungen der Schilddrüse sind diese psychischen Symptome meist hormonell bedingt und kein Ausdruck einer psychischen Störung!

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Das Problem besteht darin, dass sich psychische Erkrankungen wie eine Depression oder Panikattacken bzw. eine Angststörung mit sehr ähnlichen Symptomen wie Krankheiten der Schilddrüse äußern und deshalb entsprechend häufig mit ihnen verwechselt werden.

Internationales Diagnoseschema der WHO bzgl. Depression und Angststörung

Um dies zu verdeutlichen, stelle ich nachfolgend das Internationale Diagnoseschema (ICD-10) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Krankheiten Depression und Angststörung vor.

Depression

– Depressive Stimmung
– Interessenverlust, Freudlosigkeit
– Antriebsmangel, erhöhte Ermüdbarkeit
– Verminderte Konzentration
– Vermindertes Selbstwertgefühl
– Gefühl von Schuld / Wertlosigkeit
– Pessimistische Zukunftsperspektiven
– Suizidgedanken/-handlungen
– Schlafstörungen
– Früh morgendliches Erwachen
– Morgendliches Stimmungstief
– Deutlicher Appetitverlust
– Gewichtsverlust
– Deutlicher Libidoverlust

Panikattacke (Angststörung)

– Schweißausbrüche
– Fein- oder grobschlägiges Zittern (Tremor)
– Mundtrockenheit
– Atembeschwerden
– Beklemmungsgefühl
– Schmerzen in der Brust
– Übelkeit
– Schwindel, Unsicherheit, Schwäche
– Entfremdungsgefühl
– Angst die Kontrolle zu verlieren
– Angst zu sterben (Todesangst)
– Hitzegefühle oder Kälteschauer

Ein Großteil der aufgelisteten, psychischen Symptome ist ähnlich oder sogar genau gleich. Wegen der Auswirkungen auf die Psyche besteht deshalb ein erhebliches Risiko, dass Schilddrüsenerkrankungen als psychische Störungen fehl diagnostiziert werden!

Besonders zu Beginn der Erkrankung, wenn erst wenige Symptome vorhanden und die Blutwerte noch unauffällig sind, ist es für die/den Ärztin/Arzt unter Umständen schwierig die richtige Diagnose zu stellen. Erschwerend kommt diesbezüglich hinzu, dass bei Funktionsstörungen der Schilddrüse die psychischen Symptome den organischen Beschwerden vorangehen können.

Im Hinblick darauf scheinen Frauen außerdem besonders gefährdet zu sein, dass Ihnen fälschlicherweise eine psychische Erkrankung unterstellt wird. Sie werden in unserer Gesellschaft offensichtlich immer noch als psychisch labiler als Männer eingeschätzt.

Erschwerend kommt auch noch hinzu, dass Schilddrüsenerkrankungen häufig in Situationen ausbrechen in denen Fehlinterpretationen naheliegen. Zu diesen Lebensphasen zählen besonders eine Schwangerschaft sowie die erste Zeit nach einer Entbindung. Psychische Symptome wie Weinerlichkeit, Melancholie usw. werden hier oft als Wochenbettdepression eingeschätzt und Müdigkeit, Erschöpfung etc. als Ausdruck von Überforderung falsch ausgelegt.

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Forschung: Hashimoto-Thyreoiditis und Selen

Inzwischen wurde bereits in einer ganzen Reihe von wissenschaftlichen Studien nachgewiesen, dass das → Spurenelement Selen hilfreich bei der Hashimoto-Thyreoiditis ist.  Die mehrmonatige Einnahme von Selen beeinflusst den Krankheitsverlauf günstig. Dies wird jetzt auch noch einmal durch eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung bestätigt.

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Worin besteht der Nutzen der Behandlung mit Selen bei PatientInnen mit Hashimoto-Thyreoiditis?

Die wichtigste Wirkung von Selen betrifft die Schilddrüsenautoantikörper.

Diese schilddrüsenspezifischen Autoantikörper sind für die Diagnose der Hashimoto-Thyreoiditis entscheidend. Ihre genaue Bedeutung für den weiteren Krankheitsverlauf sowie insbesondere der Einfluss auf das Wohlbefinden ist aber noch unklar.

Durch die mehrmonatige Einnahme des Spurenelements Selen werden diese Autoantikörper sehr deutlich verringert. Dies betrifft sowohl die TPO-AK als auch die TG-AK.


TPO-AK ist die Abkürzung für Thyreo-Peroxidase-Antikörper. Die TPO-AK greifen die Schilddrüsenperoxidase an. Dieses Enzym ist an der Bildung der Schilddrüsenhormone beteiligt.

TG-AK ist die Abkürzung für Thyreoglobulin-Antikörper. Die TG-AK richten sich gegen das Thyreoglobulin. Dabei handelt es sich um ein an der Produktion und Speicherung von Schilddrüsenhormonen beteiligtes Protein.


Daneben hat man aber auch festgestellt, dass die Selen-Einnahme über sechs Monate hinweg zu einer Senkung des TSH führt.

Das TSH (Thyreoidea Stimulating Hormon) wird von der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet und regt die Schilddrüse zur Bildung der Schilddrüsenhormone T3 und T4 an.

Viele Hashimoto-Erkrankte haben bereits bei der Diagnose ein erhöhtes TSH. Ein TSH über 2 mU/l ist ein Anzeichen dafür, dass die Hashimoto-Thyreoiditis bereits so weit fortgeschritten ist, dass es zu einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) gekommen ist.

Ein solcher Mangel Schilddrüsenhormonen muss meist mit der lebenslang erforderlichen Gabe eines Schilddrüsenhormonpräparats behandelt werden. Durch die Selen-Gabe gelingt es unter Umständen den Beginn dieser Schilddrüsenhormontherapie hinauszuzögern.

Quelle: Yifang Hu, Wenwen Feng u.a. “Effect of selenium on thyroid autoimmunity and regulatory T cells in patients with thyroiditis: A randomized-controlled trial” Clin Transl Sci. 2021 Mar 1. doi: 10.1111/cts.12993. Online ahead of print.

Forschung: Müdigkeit und Muskelschwäche bei gut eingestellter Hashimoto-Thyreoiditis

Die meisten Hashimoto-Erkrankten kennen Muskelschwäche aus eigener leidvoller Erfahrung. Wenn die Kraft in den Händen kaum für das Aufdrehen einer Wasserflasche ausreicht oder die Beine schon nach einem kurzen Spaziergang zittern. Muskelschwäche ist ein typisches Anzeichen für einen Mangel an Schilddrüsenhormonen, eine Schilddrüsenunterfunktion.

Durch die Behandlung mit Schilddrüsenhormonen bessern sich die Beschwerden fast immer. Bei einigen Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen bleiben Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Müdigkeit und Erschöpfung aber auch dann noch bestehen, wenn die Schilddrüsenunterfunktion schon lange behoben wurde und die Schilddrüsenerkrankung gut eingestellt ist. „Forschung: Müdigkeit und Muskelschwäche bei gut eingestellter Hashimoto-Thyreoiditis“ weiterlesen